Interkom

Vor Jahren, also genauer gesagt 2016 hatte ich ein älteres gebrauchtes Bluetooth Motorrad Interkom Set mit zwei Einheiten für Helm-Montage erworben. Die fragwürdige Idee war damals, bei den ersten gemeinsamen Ausfahrten mit meiner Frau eine Möglichkeit der Kommunikation zu haben. Das war aber nicht notwendig, und man muß beim Motorradfahren ehrlicherweise nicht unbedingt irgendwelche Gespräche oder Anweisungen wie im Auto haben. Zudem schien uns damals die Montage am und im Helm viel zu mühsam und umständlich. Und somit landete dieses Set nach wenigen “Labortests” am Esstisch unbenutzt im Schrank, wo es bis heute abgesehen von ein paar Zwischenladevorgängen unberührt blieb. Ich hatte versucht, den Kram für einen Apfel und ein Ei weiterzuverkaufen, aber dies misslang. Auf die Idee, die Sachen irgendwie selbst zu verwenden, war ich gar nicht mehr gekommen.

Das änderte sich jüngst. Inzwischen ist der Elektroroller mein Haupt-Alltagsverkehrsmittel. Da fährt man leise und entspannt und hat Ruhe und Zeit. Man kann das Handy praktischerweise im vorderen Fach griffbereit halten oder sogar am Lenkerhalter fixieren, so daß man es direkt im Blick hat. Hinzu kommt, daß ich inzwischen eine Vorliebe für sogenannte “erweiterte Jethelme” entwickelt habe, also Jethelme, die den Kopf weitestgehend umschließen, dazu ein weit runtergezogenes Visier nebst Sonnenblende haben, vorne aber kein festes Kinnteil besitzen. Beim Roller ist das perfekt ok. Diese Helme sind weniger klobig, leichter, angenehmer in der Handhabung, sind bei Verwendung einer warmen Sturmhaube für jede normal fahrbare Witterung tauglich und bieten immer noch ausreichend Schutz. Und an sowas stört das Interkom Geraffel viel weniger als im relativ engen Integralhelm. Mein bisheriger alter Jethelm, oben im Bild gezeigt wird demnächst ausrangiert und eignet sich insofern hervorragend als Vorab-Testhelm, bis der Nachfolger da ist.

Das alte Interkom Set wurde also aus dem Schrank geholt und aufgeladen, sowie die Anleitung studiert. Ich hatte keine Ahnung mehr, ob und wie das Ding funktioniert. Der Zahn der Zeit nagt an diesen Sachen. Ähnlich wie manche alte Garmin GPS Geräte oder Handies hat man auch hier eine extrem klebrig werdende Aussengummierung. Das ist ein bisschen ekelhaft. Der Mikrofonschaumgummi zerbröselt einem, die schwarzen Flocken hat man dann im Helm und im Bart. Aber das ist alles kein Showstopper, denn: technisch funzt der alte Kram klaglos, wie sich schnell zeigte. Es war ja ursprünglich kein Billigteil gewesen. Das Pairing mit dem Smartphone ist in der Anleitung zwar falsch beschrieben, da musste ich nochmal nachdenken, so wie bei meinen damaligen Erstversuchen. Ansonsten war aber alles auf Anhieb einsatzfähig. Prompt gab es bei der ersten Testfahrt einen Anruf, den ich bestens über die Interkom abwickeln konnte. Der eigentliche Einsatzzweck, die Kommunikation mit anderen Fahrer/innen verbleibt hingegen ungetestet, weil ich es nicht benötige. Die Koppelung zwischen den beiden Helmeinheiten funktionierte immerhin auf Anhieb. Die Koppelung mit dem Tomtom Rider Navi werde ich mir hingegen ein anderes Mal ansehen, sofern ich es benötige. Das könnte zuweilen praktisch sein, und womöglich bieten sich dann nochmals andere Funktionen der Telefonsteuerung übers Navi. Die Akkus scheinen erstaunlicherweise auch erstmal in Ordnung und problemfrei, aber wie gut sie wirklich noch sind, wird sich zeigen.
Musik hören kann man mit dem Ding nicht, denn es wird nur als Headset, nicht aber zur Medienwiedergabe gekoppelt. Das dürfte verschmerzbar sein. Die Frage nach Musik beim Motorradfahren hat sich mir niemals gestellt, scheint also kein besonderes Anliegen zu sein.

Insgesamt könnte das eine akzeptable Lösung für ein eher wenig dringliches Problem sein, nämlich während der ruhigen und langen Pendleretappen und sonstiger längerer Fahrten telefonisch erreichbar zu bleiben. Dabei geht einem schon immer so einiges durch die Lappen, oder aber man stoppt sonst vielleicht genervt die Fahrt, wenn man das Handy am leisen Roller doch irgendwie klingeln hört. Und selbstverständlich kommt man nie rechtzeitig dran. Jetzt tapscht man nur mit Handschuh seitlich an den Helm und quatscht los. Das geht gut.
Auch die Android-Auto App, sowie Whatsapp Diktate kann man mal damit ausprobieren. Druck aufs Helmteil reicht aus, und schon führt das Ding Befehle aus, mit der bei uns üblichen netzbedingten Unsicherheit. In Niederbayern gibt es kaum Funknetz. In Österreich hingegen hat man immer vollen Daten-Netzempfang. Das ist jetzt bewusst ohne Wertung gesagt. Ich finde beides ok, aber man sollte es einkalkulieren.
Wenn man den Kram also jahrelang nicht billig verscherbeln konnte, was in Anbetracht des altersbedingt inzwischen suboptimalen Ausseneindrucks auch irgendwo verständlich ist, dann freut man sich jetzt doch noch mal über die Sachen. Das ist noch kein Fall für den Elektronikschrott.

Ein kleiner Hinweis am Rande: falls jemand Teile des abgebildeten Helms braucht, insbesondere die Visiermechanik, die es nur in Schwarz zum Nachkaufen gibt, einfach melden. Der Helm wird bald ausrangiert, und um solche Kleinteile ist es dann schade.

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