Meine MT-07

Generell ist zu unseren Yamaha MT-07 Budget Bikes alles geschrieben. Diese Radln funktionieren und fahren gewohnt gut, zuverlässig, angenehm. Bei mir gibt es beruflich Änderungen, insbesondere fällt meine schöne Pendlerstrecke über kleine Landstraßen durch Oberösterreich weg. Diese Strecke machte den Hauptanteil der 33.100km seit Erstfahrt im Frühjahr 2018 aus. Freizeit- und Urlaubsfahrten kommen seit Jahren kaum mehr vor. In der Coronazeit war die MT wegen Homeoffice bereits mehr gestanden als gefahren. Während der gesamten Nutzungsdauer entstand bei meiner MT ein lückenloser Spritverbrauchsschnitt von

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Die MT-07 ist bei Mittel- und Langstrecken nach wie vor zeitgemäß, cool, unpenetrant zu fahren, und es ist für den öffentlichen Straßenbetrieb mehr als genug Leistung vorhanden. Mich stresst immer wieder der Gedanke, wie man mit dem Motorrad sinnvoll weitermacht, und das nicht zum ersten Mal. Ein super Allround-Moped in der Garage ist ok, aber nur zum Rumstehen brauche ich es nicht, und Sonntagsfahrer will ich keiner werden. Fahrerische Routine ist existenziell. Ob nur sehr gelegentliche Einsätze dafür ausreichen, ist mehr als fraglich.
Zudem geht der Weg klar weg vom Verbrennungsmotor, endlich. Der E-Roller ist ein voller Erfolg. Noch 2021 gibt es voraussichtlich ein weiteres rein elektrisch betriebenes Alltagsfahrzeug in der Garage, allerdings kein Zweirad. Unter den Explosionsantrieben ist der CP2 Motor sicherlich einer der angenehmsten am Markt. Damit wird ein Wechsel von der MT auf ein anderes Motorrad erschwert, denn für das Geld gibt es banal gesagt nichts besseres. Man kann etwas “anderes” kaufen, aber das müsste dann kleiner, leichter, wirtschaftlicher sein. Auf meiner Liste stünden da nurmehr die CRF300Rallye von Honda, sowie darunter dann wirklich die 125er als Friaulstraßen-Urlaubs-und-ansonsten-Rumsteh-Motorrad.
Ich bin vollkommen unschlüssig, ob ich den Abschied von der MT und vielleicht sogar vom Motorradfahren einläute, oder ob ich dieses günstige Motorrad als Joker trotz der absehbaren Benzinpreisentwicklung und längst überfälliger Umweltschutzmassnahmen in der Garage behalte und auf den einen oder anderen schönen Urlaub hoffe.
Leider gibt es einen weiteren Punkt, der für einen Verkauf spricht. Ein guter Bekannter und MT-07 Fahrer hat mich die Tage mal nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht. Irgendwann bald steht nämlich der 40.000er Kundendienst ins Haus, und der schlägt mit einem Horrorbetrag zu Buche, was den eigentlich sehr wirtschaftlichen und kostengünstigen Betrieb dieses bekanntlich sehr haltbaren und problemfreien Fahrzeugs schmälert. Es stellt sich die Frage, ob man sich diesen Service wirklich leisten will. Lässt man ihn machen, dann wird man das Fahrzeug aus Kostengründen noch längere Zeit behalten wollen. Eine Verkaufsentscheidung müsste insofern deutlich vorher fallen.

Diese “Verkaufsfotos” sind für mich eine Denkhilfe, ein Selbst-Tritt in den Hintern, um irgendwie zu einer Entscheidung zu kommen, die länger als drei Tage hält. Verkauf heisst: Das wars mit der MT-07. Ein solches Fahrzeug mit diesem Motor und der für mich perfektionierten Ausstattung im Detail werde ich nicht mehr haben und anschaffen können. Ein kleineres leistungsschwächeres Motorrad wäre für hypothetische lange Urlaubsfahrten in Traumgebiete vorstellbar, wenngleich ich keinen Verbrenner mehr kaufen wollte. Das muß also dann wirklich etwas ziemlich Sparsames sein.
Behalten heißt: ich habe ein gutes und unkaputtbares Allroundmotorrad für alle Fälle in der Garage, muß bald den happigen 40.000er KD berappen und weiß nicht so recht, was ich mit dem Fahrzeug im Alltag anstelle, denn Kurzstreckeneinsatz (“Eiscafe”) kommt definitiv nicht in Frage. In unserer Kleinstadt ufert der Autoverkehr völlig aus, das nimmt total überhand, die Straßen sind permanent voll. Da mache ich in der Form nicht mit.

Logisches Update

Wie man es dreht und wendet, es läuft auf Beibehalten hinaus. Die MT-07 bleibt der Joker in der Garage und wird irgendwann – wenn überhaupt – elektrisch ersetzt, wenn Kosten und Technik realistischer werden. Zu dem Zeitpunkt werden wir hoffentlich auch kein Verbrenner-Familienauto mehr besitzen. Bis dahin wird der teure 40.000er KD lange Vergangenheit sein. Mehrere Argumente sprechen dagegen, die MT-07 durch ein kleineres Sprit-Motorrad zu ersetzen, obwohl ich leichte und kleine Motorräder generell sehr schätze.

  • Die MT ist problemfrei und in super Zustand, und der Wertverlust beim Verkauf wäre trotz des aktuell günstigen Verkaufszeitpunkts aufgrund des Kilometerstandes insofern immer noch hoch.
  • Das Verhältnis aus Motorleistung und Wirtschaftlichkeit ist beim CP2 Motor und der leichten MT überragend, das kriegt man anderweitig nicht so.
  • Beispielsweise die 2020er MT125 ist einerseits leicht, fahraktiv und sehr sehr sparsam. Soweit super. Andererseits ist das Ding trotz des riesigen klobig hässlichen Mopedauspuffs aus der Fahrerperspektive bei höherer Drehzahl sehr lärmig. Als Passant nimmt man dieses penetrant laute Rattern glaube ich nicht so deutlich wahr. Aber das ist ein Showstopper für mich. Und ganz allgemein macht der 125er Motor kaum Fahrspaß aufgrund seiner lärmigen Mühsamkeit, anders als beispielsweise ein aktueller leichter 125er Roller. Da hat mich die MT125 enttäuscht. Dieser Eindruck bleibt auch nach vielen Kilometern mit dem Ding. Der Spaß damit resultiert also allein aus dem winkeligen Kleinstraßenflow mit dem leichten fahraktiven ergonomisch guten und im winkeligen auch sehr sparsamen Fahrzeug. Allerdings darf man “nie den Schwung verlieren”, was u.U. zu einer unnötig ambitionierten, mindestens unentspannten Fahrweise führen kann. Abgesehen von den quasi unmöglichen Überholmanövern.
  • Der sehr günstige Spritverbrauchsschnitt unserer MT125 von gut 2l/100km relativiert sich bei Dauervollgas. Das sind in der Ebene so um die 100km/h Geschwindigkeit. Das ist bei motorradunfreundlich verlaufenden Strecken realistisch, und dann stehen da 4l/100km Verbrauch. Da ist die MT-07 besser und dabei viel weniger stressig und lärmig.

Es wäre relativ unsinnig, die MT jetzt mit knapp 34.000km und Wertverlust herzugeben. Die macht problemlos weitere 50.000km wenns sein müsste, und selbst deutlich kleinere Einzylindermotorräder kosten letztendlich so viel, wie ich dafür noch kriegen könnte. Die favorisierte und robuste CRF300Rallye wäre indes allein durch den Gebrauchtverkauf der MT nicht vollständig finanzierbar, verbraucht dabei gar nicht so viel weniger Sprit als die MT, und lieferbar ist glaube ich so schnell auch nichts. Der Spaß bleibt also in der Garage.

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