Chike und Yoonit

Einen großen Schritt weiter bin ich heute in Bezug auf meine Lastenrad-Überlegungen gekommen. Über eine Händlersuche bin ich auf ein sehr cooles Fahrradgeschäft gestossen. Der Telefonkontakt war super, und zwei Wunschkandidaten meiner Lastenradaufstellung waren in mehreren Exemplaren im Geschäft lagernd. Und das beste: es gab jeweils einen Vorführer. Das ist echt super und rechtfertigte die Anfahrt, zusammen mit einem Kumpel von braunaumobil.at.

Wiedermal zeigt sich, wie wichtig doch die Echtbesichtigung sein kann. Mit beiden Modellen, also Chike wie Yoonit hatte ich mich bereits eingehend im Web befasst, aber erst der wirkliche Kontakt mit den Fahrzeugen liess dann alles für mich klar werden. Und ich konnte heute beide Räder probefahren, wobei ich mich auf jeweils eine sehr kurze Fahrt ohne Beladung beschränkt habe. Es war bereits dämmerig, zudem nasskalt, so daß die Fotos allesamt eher düster geraten sind. Update 07/2023: hier gibts nun bessere Fotos!

Erste Ideen

Größe

Beide Räder, das Chike wie das Yoonit sind relativ kompakt, was die Länge angeht. Das Yoonit gibt es zudem mit oder ohne E-Unterstützung. Das Yoonit ohne Antrieb ist angenehm leicht für ein Lastenrad, also das hebt man problemlos herum. Selbst das E-Yoonit kann man tragen und manövrieren, also auch hier hat man noch ein irgendwo fahrradtypisches Gewicht. So ein kompaktes Lastenrad könnte ich bei mir die Kellertreppe runter wuchten und in meine Werkstatt stellen. Das Chike ist ebenfalls kompakt, aber etwas breiter als ich erwartet hatte. Und dieses Rad hebt man zumindest vorne nicht mehr so einfach hoch. Das ist eine andere Größenordnung. In meinen Keller könnte ich das Chike nicht runterbugsieren, sowohl wegen der Breite, als auch wegen des Gewichts.

Allererster Fahreindruck

Als erstes habe ich das E-Yoonit ausprobiert, unbeladen die Straße rauf und runter. Neu für mich ist der Long-John-Effekt mit dem nach vorne versetzten Vorderrad. Das ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, indes nicht problematisch. Überrascht hat mich dann der ruhige Lauf des kleinen Vorderrades auf dem unebenen kopfsteinpflasterartigen Belag. Das Yoonit besitzt ja keine Federung, anders als das Chike. Aber der Reifen hat schon was weggeschluckt. Dennoch, im beladenen Zustand müsste man hier mittels dämpfender Elemente oder Matten für den Schutz der Ladung sorgen.
Das Chike war ohne nennenswerte Eingewöhnung fahrbar, da war ich sogar überrascht, wie unspektakulär sich die Lenkung mit Neigetechnik anfühlte. Das Zweispur-Rad liegt ruhig, satt und problemlos steuerbar.

Beide Vorführer waren mit Shimano Steps Motoren ausgestattet. Beide Antriebe liefen recht leise, also leiser als mein Steps E8000 im BMC. Den Leichtlauf ohne Motor habe ich heute dummerweise nicht ausprobiert, das hatte ich bei den kurzen Fahrten schlichtweg vergessen. Tja, das hätte mich in der Tat interessiert.
Das konkrete Yoonit war mit einer Kette ausgestattet, das Chike mit einem Riemen. Keines der beiden Lastenräder fühlte sich schwergängig an, beide waren gut und frustfrei zu fahren. Klar, es sind keine Sporträder, aber es sind immerhin mehr oder weniger schwere Fahrräder. Das geht in Ordnung. Man würde damit bedenkenlos irgendwohin starten, zumal die gut integrierten fein ansprechenden Shimano E-Antriebe einem die Beschleunigung leicht machen. Das einspurige Yoonit ist agiler zu steuern, was vermutlich vor allem am Gewicht liegt.
Um diese Fahrräder genauer und reproduzierbar beurteilen zu können, müsste man allerdings mehrere und längere Fahrten unternehmen. Dazu ist es heute nicht gekommen. Ich wollte nur einen Ersteindruck haben, um eventuell problematische Eigenschaften ausschließen zu können, und nichts mehr als das. Alles was hier bisher im Artikel steht, ist als punktueller minimaler Ersteindruck zu werten.

Ausstattung

Das Chike hat einen Alurahmen, das Yoonit ist aus Stahl. Wers gern fein hat, das Yoonit hat schwarze Speichen (ich bevorzuge das), das Chike hat silberne. Beide Räder bieten in der E-Version die Shimano 5-Gang Schaltnabe mit Carbonriemen an. Das wäre auch genau meine Wunschkonfiguration. Im Chike hat man zudem Di2, was ich cool finde. Im Yoonit gibt es kein Di2, dafür den stärkeren EP8 Antrieb (Update 2023: neuerdings den EP6 und ebenfalls die Di2 Version der 5-Gang Schaltnabe), wo das Chike den E6100 Cargo Antrieb verbaut. Das Yoonit hat nur das kleine Shimano Display am Lenker, das Chike besitzt mittig eine größere Anzeige. Die Bedienelemente sind in beiden Fällen modern und technisch, man verzichtet dankenswerterweise auf jedwede Nostalgie oder auf Billigbauteile. Die Züge und Leitungen sind beim Yoonit leider aussen verlegt. Und da kommt einiges zusammen. Beim Chike ist es mir nicht besonders aufgefallen, das Fahrgestell wirkt sehr clean, aber der Kinderaufbau verdeckt halt auch die wesentlichen Zonen.
Die Coolness innenverlegter Leitungen kann man bei Lastenrädern noch nicht generell erwarten. Einige Hersteller bieten das in der Tat aber bereits an.

Mein Fazit

Nach der kurzen Probefahrt heute kann ich keine Aussage über Fahrten im beladenen Zustand machen. Das Chike habe ich nicht in der E-Cargo-Version besichtigen können, sondern nur in der E-Kids Version, die den vorderen Bereich verbaut, so daß man da nicht alles sehen kann. Beide Räder fahren sich auf Anhieb einwandfrei und sicher, also man muß nicht befürchten, daß sich die Lenkung aufschaukelt oder die Fuhre leicht außer Kontrolle gerät. Der Lenkungsdämpfer des Yoonit scheint mir spürbar zu sein. Das Rad läuft angenehm und wirkt sicher und solide im Lenkverhalten. Beide Räder machen Spaß zu Fahren, wobei das Yoonit agiler zu fahren ist, das Chike hingegen in der Cargo Version vielleicht mehr Ladung schlucken kann (unverifizierte Annahme von mir!). Das Chike ist als zweispuriges Rad so breit, daß es auf engeren Strecken bzw. Radwegen eventuell schon mal Probleme geben könnte. Das hatte ich etwas unterschätzt anhand meiner Vorabrecherchen im Web. Das Yoonit ist nicht breiter wie ein normales Rad, hier hängt es also allein von der Beladung ab. Super praktisch finde ich den Yoonit Job Carrier, der als Basisplatte alle Arten von Boxen und Zeug transportieren kann. Dieser ist in den Fotos beim gelben Modell zu sehen. das Chike E-Cargo hätte eine vergleichbare Basisplatte, die sich sogar zur Box aufrüsten liesse. Beim Yoonit müsste man die Ladungsbox mit Matten oder Gummidämpfern abdämpfen. Das Chike ist vorne gefedert, was ich für einen wichtigen Punkt halte.
Wenngleich ich gierigerweise eigentlich gerne beide Räder hätte, konnte ich bei der heutigen Besichtigung und Kurzfahrt meinen vorläufigen Favoriten gut festlegen. Ich wüsste also was ich tue, wenn ich die Kohle jetzt zur Verfügung hätte. Fakt ist: das sind zwei moderne gut designte und kompakte Lastenräder mit hohem Nutzwert und technischer wie visueller Attraktivität. Zudem finde ich in beiden Fällen die technischen Ausstattungsdetails sehr gelungen und passend, ganz genau mein Geschmack. Schön, daß es so etwas zu kaufen gibt. Wann ich mir ein solches Rad bestellen kann, ist im Moment offen. Das wird leider noch dauern.

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