Tausch des BMC ICS Vorbaus

Die Aufgabe

Das BMC Alpenchallenge Amp in Rahmengröße M hat eine für mich tendentiell etwas gestreckte Sitzposition dank des serienmässigen 90mm Vorbaus mit -10° Neigung. Das ähnelt dem leichten Asfaltrad, ist jetzt nicht übertrieben und passt auch zum Radtyp, allerdings gibt es bei mir aktuell einen gesundheitlichen Akutfaktor, der zu einer moderateren Sitzposition zwingt. Es gab Handlungsbedarf. Glücklicherweise bietet BMC einen kurzen ICS Vorbau mit 55mm Länge und 0° Neigung an. Das Teil ist nur leider nicht ganz billig, hat aber sämtliches Umbauzubehör dabei:

BMC ICS01 Vorbau 55mm, 0° Neigung
BMC ICS01 Vorbau 55mm, 0° Neigung

Teil 2 der Aufgabe war der Tausch der vorderen Bremsleitung, die von Neuzustand an einen Knick hatte, der mich störte. Die Leitung war durch die Lenkerdemontage in der Lieferbox des Rades zu stark gedehnt worden, so daß sie an der Stahl-Halteklammer im Serienvorbau einen Knick erlitt.

Die Problematik

Beim Integrated Cockpit System von BMC werden u.a. die Bremsleitung von vorne unterhalb des Vorbaus in einen Schacht geführt, verlaufen dann innen im Steuerrohr seitlich des Gabelschaftes nach unten und von dort entweder im Unterohr nach hinten, oder aber in den Gabelschaft und den linken Gabelholm hinein zur vorderen Bremszange. Der Schacht unter dem Vorbau lässt sich vom Vorbau trennen, allerdings besitzt er einen nicht zu öffnenden Ring, durch den die Leitungen geführt werden müssen. Da dieser Schacht spezifisch zum gewählten Vorbau passen muß, muß er mit getauscht werden, und somit müssen zwangsläufig sämtliche dort verlegten Leitungen geöffnet werden.
In diesem Fall waren das beide Bremsleitungen, das Kabel zum Display, sowie das Scheinwerferkabel. Das Schaltseil hingegen wird bei diesem Rad nicht durch den Schacht, sondern seitlich in eine Rahmenöffnung geführt. Es störte hier also nicht.

Umbauschritte

Gabelschaft freilegen

Der allererste Schritt ist das Entfernen des Antriebsakkus und des Vorderrades. Dann gehts wirklich los:
Zunächst wird der montierte Vorbau gelockert und mitsamt der inneren Schaft-Klemmbacken nach oben gezogen, so daß er gerade noch wieder geklemmt werden kann. Daraufhin können die drei jeweils zweiteiligen Vorbauspacerclips herausgenommen werden. Der Kabelschacht verbleibt noch unter dem Vorbau. Die Lenkerklemmschelle habe ich geöffnet und den Lenker herausgenommen. Für die weiteren Schritte habe ich dann bereits gewechselt und den neuen kurzen Vorbau provisorisch aufgeklemmt als Lenkerhalter für die Leitungsdemontagen.

Leitungen durchziehen

Alles, was durch den Vorbau geführt ist, muß nun geöffnet werden. Bei mir sind das die beiden Hydraulikbremsleitungen, das Steps Displaykabel, sowie das Scheinwerferkabel, welches ich leider nicht vorne lösen kann, sondern wirklich am Antrieb abklemmen und wieder komplett zurück durchziehen muß. Dazu musste ich den Antrieb abklappen, was ich bereits früher beschrieben habe. Das geht zum Glück beim Steps E8000 sehr einfach. Beim Hochziehen des Lichtkabels ziehe ich ein daran befestigtes Führungskabel mit, welches mir dann beim Wiedereinziehen die Arbeit abnehmen wird. Ist das Lichtkabel ganz hochgezogen, trenne ich es vom Führungskabel , welches ich für später im Rahmen liegen lasse. Hat man den Antrieb wegen des Lichtkabels abgeklappt, so hat man in jedem Fall die Möglichkeit zur Korrektur der freien Länge von Licht- und Displayleitung. Beide habe ich weitestmöglich in den Rahmen gezogen und mir so die vorher sichtbaren Kabelschleifen unterm Lenker erspart.
Bei den Bremsleitungen ganz langsam und vorsichtig/sanft arbeiten, so daß die Kabel nicht wegschnellen. Es gibt die Chance, dass hier quasi kein Tropfen ausläuft! Dann muß man praktisch nicht entlüften. Andererseits ist die Entlüftungsprozedur mit dem einfachen Shimano Entlüftungskit kinderleicht. Die Bremsleitungen werden also an den Bremsgriffen abgeschraubt. Mit ihren dicken Gummiüberwürfen kann man sie nicht einfach seitlich im lose montierten Kabelschachtring durchziehen, sondern dazu muß der Lenker und Vorbau runter und der Ring wirklich nach oben gezogen werden, so daß man die Leitungen dann frei durchfädeln kann.
Das Displaykabel wird einfach am Display abgesteckt, keine weitere Mühe.

Bremsleitung

Hier ist der Punkt, wo ich die vordere Bremsleitung ausgetauscht habe. Das ist im Allgemeinen unnötig, aber ich wollte die geknickte Original-Leitung loswerden. Dazu wurde ein 1m Bremsleitungsset von Shimano beschafft und ein 2mm Inbus abgesägt, den ich als Kupplungsstück zwischen alter und neuer Leitung einschob. Aussen wurde die Kupplungsstelle mit Bremsenreiniger entfettet, dann kam eine einzige Lage Textilklebeband drumrum, um das Zusammenhalten sicherzustellen. Der Kabelkanal ist sehr eng, es darf sich keinesfalls verdicken. In den obigen Bildern ist die Kupplungsstelle gelb markiert.
Die alte Bremsleitung wurde unten an der Bremszange abgeschraubt und das Ende abgeschnitten. Dann liess sich die Leitung schiebend und ziehend so grade nach oben holen. Irgendwo innen drin gab es einen Widerstand, der mich etwas stresste. Vermutlich war das die Stelle, als die Kupplung im Steuerrohr aus dem Gabelschaft gezogen wurde. Wenn das schiefgeht, muss man zwangsläufig die Gabel komplett demontieren und hat einiges mehr an Aufwand. Vermutlich braucht man spätestens dann einige helfende Hände, um diverse frei werdende Teile halten zu können.
Bei mir gelang es aber. Die Bremsleitung kam letztenlich oben heraus. Das untere Ende hatte ich bereits vor dem Durchziehen mit der Stützhülse versehen. Oben wartete ich mit der Konfektionierung, bis der Lenker sauber montiert war.

Remontage

Als nächstes tauscht man den Kabelschachtring. Man muß alle Kabel bzw. Leitungen durch den neuen Ring durchfädeln und den Ring bzw. Kabelschacht über den Gabelschaft stecken. Dabei hakt es unter Umständen ein wenig mit den Leitungen im Steuerrohr. Diese sollte man sauberstmöglich und harmonisch seitlich anliegen lassen und oberhalb des neuen Kabelschachtes nach vorne leiten.
Jetzt kommt wieder der kurze Vorbau oben drauf mit den innenliegenden seitlichen Klemmbacken. Dieser wird zunächst wieder sanft ganz oben geklemmt, damit man darunter noch Platz hat. Auch der Lenker wird bereits provisorisch in der Vorbauklemme geklemmt, wobei ich auch bereits die GoPro Faceplate eingesteckt habe.
Dann habe ich auch das Lichtkabel wieder nach unten gezogen mit dem vorher erwähnten Hilfskabel und am Antrieb korrekt in den Klemmen verschraubt. Davor wurde der Scheinwerfer vorne an der Faceplate provisorisch befestigt.

Endmontage

Abschließend kommen die Gabelschaftspacer drauf, der lose Steuersatz wird dabei ordentlich mit Fett zusammengesteckt, der Kabelverlauf seitlich nochmals geprüft, und schließlich wird der Vorbau runtergeschoben, die Kompressionsschraube von oben angezogen und alles in halbwegs korrekter Position erstmal festgezogen. Die offenen Bremsleitungen wären spätestens jetzt wieder zu befestigen, dabei vorsichtig mit Bremsleitungsklemmblöcken und Rohrzange gegenklemmen, damit sich die Leitungen beim Verschrauben nicht verdrehen! Hat man den Job gut gemacht, dann funktionieren die Bremsen sofort wieder. Achtung, Vorderrad ist noch nicht drin! Ich musste an dieser Stelle erstmal die vordere Bremsleitung entspechend konfektionieren und neu an der Bremsarmatur fixieren. Dabei darf man die Überwurfhülle nicht vergessen!
Jetzt wurde auch das neue EW-EN100 ANT+ Dongle statt des SC-E8000 Displays am Antriebskabel angesteckt, der Lenkerschalter am zweiten Anschluß des Dongles eingesteckt, der Antrieb mit sauber verlegten Kabeln im Antriebsbereich wieder verschraubt, der Akku eingesetzt und die Elektrik samt Scheinwerfer geprüft.
Es verbleibt die genaue Ausrichtung aller Komponenten, sowie bei mir die Fixierung des EW-EN100 an einer Leitung. Das wars.

Das Ergebnis

Die neue Geometrie und die saubere Kabel- und Scheinwerferverlegung sieht man unten. Der Umbau spart dank des leichteren neuen Vorbaus etwa 40g Gewicht, das nur am Rande. Visuell ändert sich das Rad ein wenig. Der horizontal verlaufende -10° Vorbau ließ es wie ein schnelles Asfaltrad wirken. Nunmehr komme ich eher in Richtung Fitnessrad. Generell schätze ich das Fahren mit kurzem Vorbau, und wie bereits gesagt, in diesem Fall war es auch aus anderen Gründen notwendig.

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