Reifenwechsel beim BMW CE 04

Ein schönes Stück Arbeit ergab sich heute. Die Restprofiltiefe der Serienreifen (Pirelli) beim CE 04 war zuletzt in Richtung Mindestanforderung (1,6mm) gegangen. Eigenmessung mit meinem Plastik-Profiltiefenmesser ergab zwar etwas vage Ergebnisse, aber es war klar, daß ein Wechsel bevorsteht. Ich hatte in Ermangelung eines erhältlichen passenden Einarmständers für die Schwinge bzw. Hohlachse (23mm) letztendlich dann den gut erhältlichen Original-Hauptständer für das Fahrzeug bestellt, mit dem der Roller absolut sicher und problemlos hinten aufgebockt werden kann. Dazu muß man den Hauptständer nur mit den dazugehörenden Hülsen und Rahmenschrauben unten am Motorblock anschrauben (eine Verkleidungsschraube muß dazu raus). Zudem hatte ich einen Satz Reifen (identisch wie Serienbereifung) bestellt, und war ansonsten davon ausgegangen, daß ich vorne meinen alten Motorrad-Gabelfaustständer verwenden könnte. Dem war dann auch so, allerdings ist der Ständer für den Roller zu hoch, so dass man etwas tricksen muss.
Zurück zur Profiltiefe: bei der Abholung des bestellten Hauptständers bei meinem Händler kam ich bei einer großen TÜV Station vorbei und bat dort einen der Prüfer, sich mal meine Profiltiefe professionell anzusehen. Das Ergebnis erstaunte mich absolut. Der Vorderreifen war mittig bei 1mm Restprofiltiefe, wobei es visuell nach mehr ausgesehen hatte. Der Hinterreifen hatte hingegen noch 1,9mm Rest mittig, sah aber abgefahrener aus. Mit anderen Worten, der Vorderreifen war überfällig, der Hinterreifen wäre sogar noch etwas gegangen. Dies bei Stand 5700.

Warum ist das überraschend? Zum einen sind die 5700km hinten völlig ok. Beim Motorrad war mit Pendlerfahrweise auf unseren kleinen Landstraßen kaum mehr als 5000km drin, eher weniger. Nur mit echten Tourenreifen konnte man etwa 8000km hinten erreichen. Allerdings bremse ich beim Motorrad fast ausschließlich vorne, auch um den vom Antrieb malträtierten Hinterreifen wenigstens beim Bremsen nicht zusätzlich abzufahren. Beim CE 04 hingegen macht der Hinterreifen fast alles. Antrieb sowieso, aber eben auch die starke Generatorbremse. Und kleiner als beim Motorrad ist er noch dazu. Vorne bremst man nur bei wirklich starken Bremsungen oder evtl. zur Feindosierung, aber ungleich seltener als beim Motorrad, eben wegen der Generatorbremse hinten. Warum zum Kuckuck ist der quasi sanft behandelte Vorderreifen so deutlich vor dem Hinterreifen am Ende? Ich kann es nicht erklären. Meine Vermutung liegt nun darin, daß es mit dem hohen Fahrzeuggewicht zu tun haben muß, denn der CE 04 hat auch auf dem Vorderrad viel Last. Zudem sitze ich häufig weit vorne, also eben nicht immer in „laid back“ Position. Eine bessere Erklärung habe ich nicht. Im Vergleich zum Motorrad mit mehr Leistung und pulsierendem Zweizylindermotor, dafür weniger Gewicht habe ich also hinten deutlich bessere Haltbarkeit, vorne hingegen erheblich weniger. Denn meine Vorderreifen beim Motorrad waren meistens gut bis etwa 7000km, trotz der Bremsungen vorne.
Ok, genug der Spekulation. An die Arbeit. Es folgen Beschreibungen meiner Arbeitsschritte, sowie Fotos von der Montage mit kurzen Bildkommentaren dabei. Dies alles erfolgt völlig ohne Gewähr! Ich besitze weder ein Werkstatthandbuch, noch eine entsprechende Berufsausbildung. Also bitte nicht nachmachen! Lassen Sie das Ihre Werkstatt machen!

Vorbereitung

  • Beschaffung des Hauptständers zum Aufbocken (in Ermangelung eines passenden Montageständers). Vielleicht ginge auch ein Scherenständer am Motorblock, aber das war mir zu riskant. Keinesfalls darf man das Fahrzeug am Akku bzw. an der unteren Fläche aufbocken!
  • Beschaffung eines Gabelfaustständers für vorne oder ggfs. anderer passender Frontständer
  • Beschaffung eines Satzes passender Neureifen
  • Beschaffung Wuchtgewichte
  • Brauchbarer Torx-Kasten mit starkem T50 Bit (3/8 oder 1/2 Zoll Anschluß)
  • Optional 19er Inbus zum Drehen der Vorderachse. Dies erleichtert die Montage, ist aber nicht zwingend nötig, da die Achse nur gesteckt und nicht geschraubt ist
  • Reifenmontagepaste, Montierhebel, Felgenschoner, Abdrückgerät, Kompressor, Wuchtbock mit 20mm Achse fürs Vorderrad und mit der Möglichkeit, das Hinterrad über eine Spindel o.dgl. zu wuchten

Arbeitsschritte

  • Hauptständer provisorisch anschrauben
    Der neu beschaffte CE 04 Hauptständer wurde mit den beiden Shims (Hülsen) sowie den Rahmenschrauben unten am Motorblock wie vorgesehen verschraubt. Dazu muss rechtsseitig eine Schraube einer Plastikabdeckung entfernt werden. Der Federmechanismus wurde nicht montiert. Der Ständer hängt einfach runter.
  • Hinterradschrauben anlösen
    Die Schrauben lassen sich gut anlösen, wenn das Rad noch am Boden ist und das Fahrzeug am Seitenständer steht. Ob das Ausklappen des Seitenständers zur Blockierung eines bereits schwebenden Hinterrades zwecks Anlösens der Schrauben ausreicht, habe ich nicht ausprobiert. Vermutlich ginge es auch so. Macht man es noch im Stand, dann nur leicht anlösen, aber keinesfalls bereits lockern!
  • Aufbocken hinten
    Man legt am besten noch ein Brett unter, weil man viel Platz unter dem Hinterrad braucht (Wippe!), damit man das Fahrzeug mit dem evtl. zu hohen Motorradständer vorne gleichzeitig aufbocken kann.
  • Vordere Radverkleidung bzw. Kotflügel lösen
    Durch Entfernen von zehn gleichartigen selbstzentrierenden Feingewinde-Torxschrauben (ich mag diese saubere Konstruktion von BMW sehr) ist am Vorderrad die Radverkleidung und dann der dahinter anschliessende Kotflügel mit den Seitenstreben einfach abzunehmen.
  • Vorderrad aufbocken
    Frontständer ggfs. in der Breite anpassen und auf einen guten Sitz der Gabelfaust-Halterung achten. Beim Aufbocken mit einem zu hohen Motorradständer hebt man mit der „anderen Hand“ am Vorderrad an. Andernfalls wird man das Fahrzeug vorne aufgrund der unpassenden Hebelverhältnisse nicht hochbekommen.
  • Bremszangen und ABS Sensor abschauben
    Die radial verschraubten Bremszangen (13er Nuss) sowie der linksseitige ABS Sensor werden abgeschraubt und mit Kabelbindern an den Gabelholmen gesichert, so daß sie nicht an den Bremsleitungen hängen und bei der Rad-Demontage nicht im Weg sind. Keinesfalls jetzt die Bremshebel ziehen!
  • Vorderachse entfernen, Rad entnehmen
    Die linksseitige Achsschraube (17er Nuss) abschrauben, die Gabelfaustklemmungen beidseitig lösen, das Vorderrad etwas anheben/entlasten und die Achse sanft durchklopfen mit einem Gummihammer. Ggfs. mit 19er Inbus rechtsseitig drehen, dann rutscht die Achse sehr leicht raus.
  • Reifen wechseln
    Dann wuchten und alles umgekehrt wieder einbauen, Radverkleidung noch demontiert lassen. Die Bremse mittels Pumpen am Hebel wieder auf Druck bringen!
  • Hinterrad abschrauben mit den fünf T50 Schrauben. Rad abnehmen. Natürlich reinigt man bei der Gelegenheit alles was nun zugänglich wird.
  • Hinterreifen wechseln
    Rad auswuchten. dazu benötigt man eine passende Spindel o.dgl. für den Wuchtbock. Dann das Rad wieder montieren.
  • Fahrzeug abbocken
    Hinterrad festziehen und ggfs. den provisorisch verschraubten Hauptständer wieder demontieren
  • Gabel-Achsklemmung entspannen
    Gabelfaustklemmschrauben vorne nochmal lösen. Fahrzeug vorne tief einfedern. Klemmschrauben wieder anziehen und Achs-Verschraubung auf Festigkeit prüfen. Kotflügel und Radverkleidung montieren.

Reifenwechsel

Wie man Reifen wechselt, beschreibe ich nicht. Ich mache das seit ewigen Zeiten selbst, bedingt durch frühere hobbymotorsportliche Aktivitäten wie Endurofahren oder Supermototrainings. Da kommt man um Selbstmontage sowieso nicht herum, also macht man es für normale Motorräder dann naheliegenderweise auch selber.
Es sei darauf hingewiesen, daß die Pirelli Serienreifen des CE 04 echt zäh zu montieren sind, wenn man manuell arbeiten muß. Ich habe die Reifen in der prallen Sonne bei Mittagshitze gewechselt, damit sie möglichst weich sind. Es kamen vier kurze Montierhebel und vier Felgenschoner, sowie Montagepaste zum Einsatz. Das Abdrücken der Reifen ging noch problemlos. Das Drüberhebeln der jeweils zweiten Reifenflanke war dann schon relativ übel. Da wurde klar, daß es nicht lustig wird. Endgültig entnervend war dann das Draufhebeln der jeweils zweiten Flanke, nachdem man die Felge davor noch mit absolut knapper Not und viel Montagepaste in den Reifen reindrücken konnte. Also dieser Teil der Montage war spassfrei. Sollte ich bei diesem Reifentyp bleiben, dann bringe ich die Felgen nächstes Mal zum Reifenprofi mit Maschine. Nochmal mache ich das nicht. Bei kaltem Wetter im Keller halte ich diese Pirelli Reifen auf den kleinen 15 Zoll Felgen für manuell unmontierbar. Da muß man schon mit allen Wassern gewaschen sein und wirklich gute Tools besitzen.
Zum Vergleich: Montage von Michelin PP 2Ct auf den 17 Zoll Felgen der MT-07 ist ein Kinderspiel, Ponyhof quasi, Kindergeburtstag (wohl wissend, wie mühsam Kindergeburtstage werden können, aber lassen wir das).

Montagefotos

Die Fotos der Galerie sind chronologisch angeordnet und jeweils kurz kommentiert.

Energieverbrauch mit Neureifen

Bereits bei früheren Motorrädern war mir aufgefallen, daß unmittelbar nach einem Reifenwechsel der Spritverbrauch für eine gewisse Zeit erkennbar raufging. Auch beim CE 04 ist das ziemlich deutlich. Die ersten Fahrten nach dem Reifenwechsel brachten vor dem Tourschnitt-Komma eine 7, wo ich normalerweise bei vergleichbarer Fahrweise eine 6 stehen habe. Der Unterschied ist so deutlich, daß ich es nicht allein auf den größeren Reifenumfang der Neureifen schieben kann. Allein der Reifenumfang dank unverschlissener Lauffläche könnte rechnerisch vielleicht 3% mehr Real-Geschwindigkeit bringen, die das Fahrzeug nicht feststellen kann, weil die Geschwindigkeit nicht per GPS, sondern über die Raddrehzahl ermittelt wird. Man ist also etwas schneller ohne es zu wissen, und verbraucht damit vermeintlich mehr, weil der Luftwiderstand bei höherer Geschwindigkeit potenziell größer wird. Das allein reicht aber meiner Meinung nach als Grund nicht aus bei einem so geringen Tempounterschied. Es muß auch mit der Lauffläche zu tun haben. Diese ist noch nicht abgefahren, hat somit eine schmälere Kontur und vielleicht auch eine andere Beschaffenheit im Kontakt mit der Straße, und irgendwie macht sich das dann so bemerkbar. Das ist jetzt reine Spekulation, ich habe davon technisch keine Ahnung. Irgendwann muß ich mal nach glaubwürdigen Informationen zu diesem Thema suchen. Dieser Effekt könnte aber den direkt nach dem Fahrzeugkauf bemerkten höheren Verbrauch erklären. Zu Beginn war der Fahrzeugverbrauch für wenige Hundert Kilometer etwas höher als in der ganzen Betriebszeit danach. Ich hatte über die möglicherweise angepasste Riemenspannung nach dem ersten Kundendienst spekuliert, aber das könnte genausogut dieser Neureifeneffekt sein. Beim Elektroroller hat man eben diese genauen Bordcomputerstatistiken, so daß man unweigerlich beginnt, über derartige Dinge zu sinnieren. Beim Verbrennermotorrad hatte ich das wie gesagt auch, aber man hat dort nicht ganz so akurate Zahlen, so daß ich mir da nie groß Gedanken gemacht habe.

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